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Lassen wir die ersten Worte einem Toten: "Worum es geht, ist doch einfach dies: brauchbare Literatur zu schreiben und zu verlegen, brauchbar zum Überleben in einer Welt, in der einen kaum noch was zum Überleben animieren kann. Und ob diese Literatur, die ästhetisch und menschlich engagiert ist und der Zeit einen ramponierten, aber immer noch intakten Spiegel vorhält, nun in einem Groß- oder Mittel- oder Kleinverlag, in Mizzis Mösen-Magazin oder in der Kreuzberger Kneipenzeitung erscheint, ist denen, die sie brauchen, Jacke wie Hose."
Es ist einiges an Zeit verstrichen, seitdem Jörg Fauser 1977 diese Worte niedergeschrieben hat. Ebenso einiges an Zeit, seitdem er 1987 sein Leben auf einer Münchner Autobahn ließ. Genug Zeit anscheinend, daß man die Bedeutung Fausers für die Literatur in diesem Land zu schätzen beginnt.
Noch nicht ganz so lange her ist es, daß ein Literatur-Aktivist aus Stuttgart den schönen Satz prägte: "Wenn die Menschen nicht zur Literatur kommen, dann geht die Literatur zu den Menschen." Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war das. Es war die Hochzeit der sogenannten "Social Beat"-Szene, einer Handvoll Schreiber, die, vom Punk inspiriert, ihre Texte seit Jahren in schlecht kopierten und zusammengetackerten Heftchen publik gemacht und dann plötzlich die Taktik geändert hatten: Live lesen, hieß die neue Losung. Lebensnahe Texte lebensnah präsentieren. Raus aus den Bibliotheken und Universitäten, rein in die Kneipen, Discos und Konzerthallen.



Die Vorgeschichte: "Where the wild words are"

1998 war es, als die genannten Inspirations- und Motivationsquellen zusammenflossen zur Idee einer literarischen Veranstaltungsreihe für Wiesbaden, die die sonst bei Lesungen üblichen Barrieren zwischen Vortragenden und Zuhörenden beseitigen sollte. Die beweisen sollte, daß "Literatur" nicht etwa ein Synonym zu "Langeweile" ist, sondern verdammt viel mit dem Leben zu tun haben kann, das wir alle im Hier und Jetzt führen, führen müssen, führen wollen. Und daß sie als Liveerlebnis mindestens ebenso gut funktionieren kann wie ein Rockkonzert. Im Februar 1999 ging die erste Veranstaltung der Reihe unter dem Titel "Where the wild words are" im Kulturzentrum Schlachthof über die Bühne.
Acht Jahre später konnte die von mir erdachte monatliche Literaturshow mit Gastautoren, DJs und Poetry Slams auf fast 80 Veranstaltungen, über 100 Gastautorinnen und Gastautoren von Roland Adelmann bis Feridun Zaimoglu, über 300 Slammer und knapp 4000 Besucher zurückblicken. Dazu kamen mit Förderung durch das Wiesbadener Kulturamt im Laufe der Jahre der regelmäßige "Poetry Kids! Slam" im Kulturpalast, die leider nur kurzlebige Lesebühne in der Wartburg und die Poetry Slams zu den Festivals "Folklore im Garten" (Wiesbaden), "Open Ohr" (Mainz) sowie zur "Mainzer Minipressen Messe", die der selben Marschroute folgten und das Profil von "Where the wild words are" vervollständigten. Fast möchte man von bleibenden Werten sprechen, die da geschaffen wurden.


Auf ein Neues: SPEAK TANK - Die Literatur-Lounge


Wie das so ist mit den Werten und der Zeit: die Werte bleiben, doch die Zeit steht nicht still. Das bringt Veränderung mit sich. Manchmal schmerzhaft, ebenso oft aber auch unausweichlich. Und so wurde es nach acht Jahren "Where the wild words are" Zeit, die Ideen und Inspirationen in ein Bündel zu schnüren und weiter zu ziehen. Mit Bedauern, aber auch nicht ohne Genugtuung. Siehe die geschaffenen Werte. Und vor allem mit einem dicken Dankeschön an das Publikum, ohne das es keine acht Jahre geworden wären.

Natürlich endete mit meinem Engagement für "Where the wild words are" jedoch keineswegs meine Lust an der Literatur als lebendiges Erlebnis. Und schon gar nicht meine Überzeugung, daß eine Stadt wie Wiesbaden ein regelmäßiges Forum für eben solche gut vertragen kann. Und weil dem so ist, brachte ab 2007 eine neue Veranstaltungsreihe unter meiner Regie, wieder mit Förderung durch das Wiesbadener Kulturamt, eine "Talk Show" der etwas anderen Art auf die Bühne: lebensnahe Texte lebensnah präsentiert. Vom Text zur Stimme durch Zigarettenqualm und Schweinwerferlicht ins Gedärm der Zuhörer.
In der Literatur-Lounge "Speak Tank" sollten sich Ausgehkultur und Literatur zu einem Gesamterlebnis vermählen. Hier gastierten Gegenwartsautoren mit lebendigen Büchern, immer wieder auch in Verbindung mit Musik - nicht nur als thematischer Bezug, sondern auch mit klingenden Tönen. Dazu war je eine Veranstaltung pro Halbjahr dem Format Poetry Slam vorbehalten. Mit im Konzept standen auch thematisch ausgerichtete Abende zu literarischen Genres, Traditionen oder Autoren, die als Bezugspunkte für gegenwärtige literarische oder soziale Phänomene eine ausführlichere Widmung verdienen.

Von 2007 bis 2008 bot das "Gestüt Renz", der "lovely club in the heart of Wiesbaden", genauer: in der Nerostraße 24, dem "Speak Tank" eine Heimat. Immerhin zehn Abende voller Wort, Wein und Gesang passten dort zwischen Abhotten und Auftanzen. Seit 2010 widme ich mich mit der unregelmäßigen Reihe "SCHWARZER FREITAG" (manchmal auch "SCHWARZER SAMSTAG") im Literaturhaus Villa Clementine als Veranstalter vornehmlich dem Krimi-Genre.



Das Programm bisher:

15.3.07 - SPEAK TANK #1: "Ein Abend für Jörg Fauser" - mit Franz Dobler

Die komplette Pressemitteilung zur Veranstaltung als pdf gibt es hier.

19.4.07 - SPEAK TANK #2: "Poetry Slam! Die Frühjahrskollektion" - mit Tilman Döring, Stefan Dörsing, Alexander Nym, Grohacke, Tilman Birr, Necip Tokoglu, Dr. Treznok, Bepoet, Alex Dreppec, Timon Manoukis

Die komplette Pressemitteilung zur Veranstaltung als pdf gibt es hier.

17.5.07 - SPEAK TANK #3: "Scherben revisited" - mit Wolfgang Seidel

Die komplette Pressemitteilung zur Veranstaltung als pdf gibt es hier.

13.9.07 - SPEAK TANK #4: "Let's talk about Surf" - mit Martin Schmitdt

Die komplette Pressemitteilung zur Veranstaltung als pdf gibt es hier.

18.10.07 - SPEAK TANK #5: "Poetry Slam! Die Herbstkollektion" - mit Deborah Bernhardt, Toby Hoffmann, Micha-El Goehre, Telhaim, Dirk Hülstrunk, Mary Grebner

Die komplette Pressemitteilung zur Veranstaltung als pdf gibt es hier.

15.11.07 - SPEAK TANK #6: "Crime Watch Rhein-Main" - mit Richard Lifka, Andreas Schäfer, Ulrike A. Kucera

Die komplette Pressemitteilung zur Veranstaltung als pdf gibt es hier.

17.4.2008 - SPEAK TANK #7: "Poetry Noir" - mit Marc A. Littler

Die komplette Pressemitteilung zur Veranstaltung als pdf gibt es hier.

22.5.2008 - SPEAK TANK #8: "Perfekte Täuschungen" - mit Kris Demeanor & Kersten Flenter

Die komplette Pressemitteilung zur Veranstaltung als pdf gibt es hier.

11.9.2008 - SPEAK TANK #9: "An alle Worte: mir nach!" - mit Thomas Palzer

Die komplette Pressemitteilung zur Veranstaltung als pdf gibt es hier.

20.11.2008 - SPEAK TANK #10: "Crime Watch Rhein-Main" - mit Ulrike A. Kucera & Jens Lossau

Die komplette Pressemitteilung zur Veranstaltung als pdf gibt es hier.

 

Fotos von einigen der Veranstaltungen gibt es in der Galerie Neusehland.



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SPEAK TANK

Die Literatur-Lounge
(Est. 2007)

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Letzte Aktualisierung am 01.12.2010