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Alexander Pfeiffer (Hrsg.) - Krimi Kommunale 2 (Kurzkrimis)
Kommunal- und Schul-Verlag, Wiesbaden 2011
ISBN 978-3-8293-0967-7, 9,80 Euro 

Was entsteht, wenn sich die düsteren Phantasien von Krimiautoren an deutschen Rathäusern und ihren Mitarbeitern gütlich tun, das konnte man bereits in dem Band „KrimiKommunale“ nachlesen. Jetzt wird das kommunale Verwaltungswesen zum zweiten Mal heimgesucht: Da werden oberbayrische Gemeinderäte von der sizilianischen Mafia um ihre letzte Weißwurst gebracht, die Stadt Hameln sieht sich mit einer gar nicht märchenhaften Rattenplage konfrontiert und der Bürgermeister von Bad Oldesloe muss nicht nur nach Los Angeles sondern gar per Rückführungstherapie in die Vergangenheit reisen, um seine Gemeinde vor Schadensersatzforderungen zu bewahren...

Die AutorInnen und ihre Geschichten:  
Cornelia C. Anken – Unter Umgehung von Dienstwegen
Guido M. Breuer – Geteilter Meinung 
Horst Eckert – Nacht über Schwerte
Angela Eßer – Bayrische Henkersmahlzeiten
Peter Godazgar – Helga sorgt für Ordnung
Carsten Sebastian Henn – Henkerstropfen
Thomas Hoeps – Das Projekt Phoenix 
Rudolf Jagusch – Bum, Bum
Karr & Wehner – Siebzehn gewinnt
Thomas Kastura – Brückenmord 
Herbert Knorr – Ruhe in Frieden
Susanne Kronenberg – Der Rattenkönig von Hameln
Tatjana Kruse – Assistenten sind die Läuse in den Locken der Kommissare
Richard Lifka – Todesgrüße aus dem Literaturhaus
Sandra Lüpkes – Back to Bad Oldesloe
Klaus Stickelbroeck – Prickelnd
Thomas Askan Vierich – Ein verlockendes Angebot   

Zusammengestellt und herausgegeben von Alexander Pfeiffer.  

Leseprobe

Vorwort 

Das Geschäft der kommunalen Verwaltung stellt man sich gemeinhin grau und eintönig vor: Vorgänge bearbeiten, Paragraphen zu Rate ziehen, Akten an- und ablegen. Die düstere, mitunter makabre Phantasie von Krimiautoren kann sich allerdings noch ganz anderes vorstellen. Zum Beispiel oberbayrische Gemeinderäte, die von der sizilianischen Mafia um ihre letzte Weißwurst gebracht werden. Oder eine gar nicht märchenhafte Rattenplage, mit der sich die Kommunalverwaltung von Hameln konfrontiert sieht. Oder eine Wiesbadener Kulturdezernentin, der eine Rolle als Mordopfer im Roman einer in der Stadt gastierenden Krimiautorin zukommt. Was den Punkt markiert, an dem sich die Autorenphantasie gewissermaßen multipliziert – so wie sich in einem Spiegelkabinett das Bild des Menschen, der es betritt, in unendlicher Ausführung bricht und reflektiert. Aber noch lange nicht den Endpunkt dessen, was diese Sammlung von Kurzkrimis aus dem Bereich der kommunalen Verwaltung bereit hält.  

Bereits im ersten Band dieser Reihe durften sich einige der renommiertesten Vertreter deutschsprachiger Kriminalliteratur an deutschen Rathäusern und ihren Mitarbeitern gütlich tun. Jetzt wird das kommunale Verwaltungswesen zum zweiten Mal heimgesucht: Siebzehn Autorinnen und Autoren machen in ihren Geschichten Ämter und Behörden landauf und landab zu Tatorten von Verbrechen – ebenso überraschend wie unterhaltsam.

Da muss der Bürgermeister von Bad Oldesloe nicht nur nach Los Angeles, sondern gar per Rückführungstherapie in die Vergangenheit reisen, um seine Gemeinde vor Schadensersatzforderungen zu bewahren. Eine unbedarfte Politesse in Halle wird zugleich Aufklärerin und Nutznießerin eines Überfalls. In Hürth nutzt eine Mitarbeiterin der Stadtbücherei ihre Kenntnis der Romane von Agatha Christie, um eine Mordserie aufzuklären. Und den Bürgern von Bad Neuenahr stinken die Ideen ihrer Kurverwaltung gewaltig.

Alles an den Haaren herbeigezogen? Nur der überbordenden Phantasie von Autoren geschuldet, die noch im beschaulichsten Winkel der Welt ihre Leichen ablegen müssen? „Inzwischen wird in fast jedem Provinznest mit Begeisterung gemordet und ermittelt. Je piefiger das Kaff, desto wahnwitziger die fiktiven Morde. Von den exzentrischen Ermittlern gar nicht erst zu reden“, ereiferte sich erst kürzlich eine große deutsche Tageszeitung – völlig zu recht übrigens: Die Deutschlandkarte ist mit fiktiven Tatorten mittlerweile praktisch lückenlos erschlossen. So viel können die Verbrecher und Psychopathen dieser Welt gar nicht anrichten, um da mitzuhalten.            

Und doch verliert diese Literatur, die den Kampf zwischen Gut und Böse zu ihrem ewigen Thema gemacht hat, nie ihren Reiz. Sei es die Bibel oder „Harry Potter“. Oder der Krimi – dessen Aufgabe es ist, Konflikte zu zelebrieren und auf die Spitze zu treiben, vor denen wir im Alltag zurückscheuen, um deren Gewicht und Tragweite wir bei uns im Geheimen aber nur zu gut wissen. Und von denen wir uns eben deshalb so gerne und ausführlich erzählen lassen.   

Lassen Sie sich also erzählen von Kindergärtnerinnen und Mitarbeiterinnen der Kfz-Zulassungsstelle von Frankfurt am Main, die in ihrer Freizeit nicht nur seltene Vögel, sondern auch gemeine Entführer beobachten. Von einer städteübergreifenden Friedhofsverwaltung im Ruhrgebiet, die einsame Witwen in den Wahnsinn und bluttriefende Mordphantasien treibt. Von einem Kerkener Baubeamten, der seinen Dienstherrn als mutmaßlichen Terroristen aus dem Verkehr ziehen lässt, um sein Büro inklusive prickelndem Ausblick zu behalten. Von drei findigen Rathausmitarbeitern in Essen, die einen Friedhof mal eben verwaltungstechnisch zur Wohnsiedlung umfrisieren. Von all dem, was Sie sich lieber nicht vorstellen mögen, wenn Sie das nächste Mal Ihre kommunale Verwaltungsbehörde betreten und auf eine reibungslose Bearbeitung Ihres Anliegens hoffen.   

Alexander Pfeiffer 
  
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Krimi Kommunale 2

Letzte Aktualisierung am 01.11.2011